Das Barri Gòtic deckt sich zum großen Teil mit der alten Römerstadt Barcino, gegründet um 10 v. Chr. Der römische Cardo und Decumanus trafen sich auf der Spitze des alten Mont Táber, heute die Plaça Sant Jaume.
Geschichte & Ursprünge
Das Viertel besteht weiterhin aus mehreren Teilvierteln, die ihre eigene Persönlichkeit behalten haben: das Call (Judería), Sants Just i Pastor, Santa Maria del Pi, la Catedral, Santa Anna, la Mercè und el Palau.
Die große neugotische Fassade der Kathedrale, die dem Viertel seinen volkstümlichen Namen gibt, hat nichts Mittelalterliches: Sie wurde zwischen 1887 und 1912 gebaut, lange nach dem Baubeginn des Gebäudes 1298.
Erbe & Architektur
Das Call, ein Bereich enger Gassen und versteckter Durchgänge hinter der Kathedrale, wurde nach den Plünderungen und Massakern von 1391 aufgegeben, fast ein Jahrhundert vor der spanischen Inquisition und der Vertreibung der Juden aus Spanien. Der Bau der Kathedrale Santa Creu i Santa Eulàlia begann 1298. Auf der Spitze des Mont Táber, in der Carrer del Paradís, bilden vier Säulen des Augustustempels (1. Jh. v. Chr.) die eindrucksvollsten römischen Reste des Viertels. Ein weiteres Beispiel für die neugotische Illusion des Viertels: die Pont del Bisbe, jene Brücke, die mittelalterlich aussieht und in der Carrer del Bisbe die Generalitat mit der Casa dels Canonges verbindet, wurde in Wahrheit 1928 vom Architekten Joan Rubió i Bellver für die Weltausstellung von 1929 gebaut.
Kathedrale Santa Creu i Santa Eulàlia
Bau 1298, Fassade 1887–1912Das Call
Ehemaliges mittelalterliches jüdisches ViertelNach 1391 aufgegeben.
Plaça Sant Jaume
Spitze des Mont TáberKreuzung des römischen Cardo und Decumanus.
Augustustempel
Römische Reste, 1. Jh. v. Chr.Vier Säulen, Carrer del Paradís.
Pont del Bisbe
1928 gebautBrücke in mittelalterlichem Stil, Carrer del Bisbe.
Sants Just i Pastor
Historisches TeilviertelSanta Maria del Pi
Historisches TeilviertelRund um die gleichnamige Kirche.
Kultur & lebendige Traditionen
Anders als der Name vermuten lässt, ist das „gotische Viertel“ eine Identitätskonstruktion vom Anfang des 20. Jahrhunderts und keine aus dem Mittelalter überlieferte Bezeichnung. Die Identität des Barri Gòtic bleibt aufgeteilt auf mehrere historische Teilviertel, von denen jedes seine eigene Persönlichkeit behalten hat.
Empfohlene Route
Vormittag · 9–12 Uhr: Römisches Barcino
Plaça Sant Jaume, Kathedrale Santa Creu i Santa Eulàlia.
Nachmittag · 12–17 Uhr: Das Call
Gassen des Call, Teilviertel Sants Just i Pastor und Santa Maria del Pi.
Abend · ab 17 Uhr: Viertelleben
Terrassen an den Plätzen des Viertels, nächtliches Flair im historischen Herz.
Vorgeschlagene Route, nicht vor Ort getestet.
Häufige Fragen
Warum heißt dieses Viertel „Barri Gòtic“?
Der Name ist ein Werbeslogan, den Anfang des 20. Jahrhunderts der Architekt Adolfo Florensa nach einer Idee des Schriftstellers Ramón Rucabado erfand; bis dahin hieß das Viertel schlicht „Kathedralviertel“.
Ist die Fassade der Kathedrale wirklich mittelalterlich?
Nein, der Bau begann 1298, aber die heute sichtbare neugotische Fassade kam zwischen 1887 und 1912 hinzu.
Was ist das Call?
Das ehemalige mittelalterliche jüdische Viertel Barcelonas, nach den Plünderungen und Massakern von 1391 aufgegeben.
Deckt sich das Barri Gòtic mit der Römerstadt Barcino?
Zum großen Teil ja, der römische Cardo und Decumanus gliederten das Viertel bereits rund um die heutige Plaça Sant Jaume.
Ist das Barri Gòtic ein einziges homogenes Viertel?
Nein, es fasst mehrere Teilviertel zusammen: das Call, Sants Just i Pastor, Santa Maria del Pi, la Catedral, Santa Anna, la Mercè und el Palau.
